Fernsehen

Vom Nazi zum englischen Fußballidol – Torwartlegende Bert Trautmann

Montag, 5. Juli 2021, 22:05 Uhr | Das Erste

Ein Radio Bremen-Film von János Kereszti und Jan-Dirk Bruns

Ein glatzköpfiger englischer Fußballfan mit Trautmann-Trikot sitzt im Pub vor dem Fernseher
Bild: Radio Bremen | Christoph Oldach

Wie konnte aus einem deutschen Wehrmachtssoldaten in der Nachkriegszeit ein gefeierter Fußballheld der Briten werden? Die Radio Bremen-Dokumentation „Vom Nazi zum englischen Fußballidol – Die Torwartlegende Bert Trautmann“ zeigt die bewegende Lebensgeschichte des Fußballstars der 1950er-Jahre in einem zerrissenen Europa und wie ein Feind zum Freund wurde.

Mit seinem legendären Einsatz 1956 im englischen Pokalfinale, das er trotz Genickbruchs zu Ende spielt, setzte sich Bert Trautmann ein Denkmal in der Geschichte des Sports. Noch im selben Jahr wird er zu Englands Fußballer des Jahres gewählt und bei seinem Verein Manchester City sogar zum besten Spieler aller Zeiten. Bernhard „Bert“ Trautmann ist bis heute einer der beliebtesten und bekanntesten Fußballspieler Englands.

Bernhard Trautmann wird 1923 in Bremen geboren. Er entdeckt früh seine Leidenschaft für den Sport, besonders für den Fußball. Bei Tura Bremen spielt er in den Jugendmannschaften – nach der Machtergreifung der Nazis dann auch mit dem Hakenkreuz auf der Brust. „Nach seinem frühen Eintritt in die Hitlerjugend meldete sich der 17-Jährige Bert sogar freiwillig zum Kriegseinsatz und wollte sein Leben für den Führer geben“, erzählt seine Biografin Catrine Clay. Trautmann erlebt die Schrecken und das ganze Elend des Krieges hautnah, stellt das nationalsozialistische Regime aber nicht in Frage. Nach dem Krieg landet er, wie rund elf Millionen deutsche Soldaten, in Kriegsgefangenschaft. Trautmann kommt nach England. Dort wird er als „überzeugter Nazi“ eingestuft.

Erst 1948 werden die Gefangenen entlassen. Trautmann aber bleibt als einer von Wenigen in England. Warum genau, das können selbst Angehörige nicht beantworten. Sein jüngster Sohn, Mark Trautmann, rätselt heute noch, was genau in seinem Vater in jener Zeit vorging: „Er hat wenig vom Krieg und der Gefangenschaft erzählt. Aber er hat stets betont, dass er in England echte Freiheit kennengelernt hat.“

Über den Sport bekommt der Deutsche Kontakt zur einheimischen Bevölkerung, spielt als Torwart in einer Mannschaft von Kriegsgefangenen und landet so beim Amateurverein St. Helen’s Town. Als Torhüter spielt er so gut, dass der Proficlub Manchester City auf ihn aufmerksam wird und Trautmann 1949 verpflichtet. Ein Deutscher für „Man City“ – das geht vielen Engländern zu weit. 25.000 Menschen demonstrieren gegen „den Nazi im Tor“. Erst ein offener Brief des jüdischen Rabbis Alexander Altmann beruhigt die Gemüter. „Dieser Brief hat viel bewirkt“, sagt Leslie Wertheimer, Mitglied der jüdischen Gemeinde in Manchester und ergänzt: „Die Juden hier haben ihn zwar als ehemaligen Soldaten betrachtet, aber nicht als Nazi. Er war ein toller Spieler und ein bescheidener, freundlicher Mann.“ Trautmann nutzt seine Chance, spielt sich in die Herzen der Fans und erobert das Königreich im Flug.

Nach dem Kinofilm „Trautmann“ (am 5. Juli um 20:15 Uhr im Ersten) begibt sich die Radio Bremen-Dokumentation auf Spurensuche. Wie ging der Fußballer mit Fragen von Schuld und Sühne um? Menschen, die ihm nahestanden, erzählen, wie Trautmann und die Engländer sich einander näherten und wie ein Mann im Land eines ehemaligen Kriegsgegners eine zweite Chance bekam.

ARD Degeto
im Ersten am Montag, 5. Juli 2021, 20:15-22:05 Uhr /
in der ARD-Mediathek ab Sonntag, 4. Juli 2021
Trautmann
In „Trautmann“ widmet sich Regisseur Marcus H. Rosenmüller der ebenso spannenden wie berührenden Biografie von Bert Trautmann, der in England vom verhassten Kriegsfeind zum hochdekorierten Fußballidol avancierte. Der Torwart machte sich zur Legende, als er im FA-Cup-Endspiel 1956 einen Genickbruch erlitt, trotzdem mit sensationellen Paraden weiterspielte und erst nach der Siegerehrung durch Queen Elisabeth zusammenbrach. Die Geschichte von Trautmann, der 2013 im Alter von 89 Jahren starb, erhielt 2019 durch den Kinofilm auch hierzulande die überfällige Aufmerksamkeit. David Kross verkörpert als „Traut the Kraut“ einen ambivalenten Titelhelden, den bei seinem mutigen Neuanfang ein Schatten aus seiner Kriegsvergangenheit begleitet.

Die Fotos sind unter ARD Foto abrufbar.

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