Fernsehen

Rabiat: In Gottes Namen

10. Mai 2021, 22:50 Uhr | Das Erste

Wann in Gottes Namen macht die katholische Kirche endlich reinen Tisch? Seit zehn Jahren kommen in der katholischen Kirche immer neue Missbrauchsvorwürfe ans Tageslicht. Rabiat-Reporter Dennis Leiffels ist deshalb frustriert. Er verbrachte Teile seiner Jugend in einer christlichen Jugendgemeinde mit Reisen, Lagerfeuer und Stockbrot. In der Radio Bremen-Reportage „Rabiat: In Gottes Namen“ erzählt er die Geschichten der Opfer, der Gläubigen und Ungläubigen. Es ist auch die persönliche Reise eines Autoren, der die Rolle der Kirche zu schätzen weiß, aber nun auf eine zerrissene Institution trifft.

Erinnerungen an spannende Erlebnisse, tiefe Freundschaften und lebendige Diskussionen sind überschattet von Enttäuschung über die Kirche. Wer nach 1990 geboren ist, der wächst mit einer katholischen Kirche als Täter-Organisation auf. Es geht dann um Missbrauchstäter, Pädophilie und Kinderschänder. Eine ganze Generation wird dadurch um die positiven Erfahrungen gebracht, die sie mit Kirche als Messdienerinnen und Messdiener, als Pfadfinderinnen und Pfadfinder oder Ehrenamtliche machen könnten.

Nachdem das Bistum Speyer einen besonders dramatischen Fall öffentlich gemacht hat, beginnt Rabiat-Reporter Dennis Leiffels seine Recherchereise dort. Der Vorwurf eines Betroffenen: Kinder aus einem von Nonnen geführten Kinderheim wurden von den leitenden Nonnen systematisch Priestern für Sexparties zugeführt. In Speyer soll es eine Art Zuhälterring für pädophile Priester gegeben haben. Leiffels sucht nach Beweisen, spricht mit Betroffenen und erlebt ein Bistum, das um Aufklärung bemüht ist.

In Kooperation mit dem Zeitungsjournalisten Stephan Alfter vom Mannheimer Morgen erhalten die Journalisten Zugang zum Archiv des Bistums. „Rabiat: In Gottes Namen“ zeigt, wie die beiden in der Vergangenheit wühlen, erlebt die Zweifel der beiden Journalisten und die Schwierigkeiten bei der Suche nach der Wahrheit.

Bei Kenneth O. (63) erfährt der Rabiat-Reporter von seinem unfassbaren Leid. Kenneth O. wuchs in einem Kinderheim neben dem Speyerer Dom auf. Laut seiner Aussage wurde er zwischen 1967 und 1975 etwa tausend Mal missbraucht. Er sei gezwungen worden, an Sexparties mit Priestern und bedeutenden Politikern teilzunehmen. Er war Opfer eines von Priestern und Nonnen betriebenen Zuhälterrings. Wie reagieren die Nonnen auf diese Vorwürfe?

Parallel dazu geht der Reporter moralischen Fragen nach, die sich auch die Zuschauerinnen und Zuschauer stellen und stellen sollten: Warum lassen die Gläubigen es zu, dass die hierarchisch geführte Institution ihren Glauben immer tiefer in den Dreck zieht? Wo bleibt da der Protest? Warum ist die Strafverfolgung so schwer und warum ist die Zeit auf Seiten der Täter?

Nach einer Forsa-Umfrage liegt die katholische Kirche in Sachen Vertrauenswürdigkeit auf dem drittletzten Platz aller Institutionen in Deutschland – dahinter finden sich nur noch Manager und Werbeagenturen. Auch dieser Verlust an Glaubwürdigkeit führte dazu, dass in den letzten zehn Jahren 1,9 Millionen Katholiken aus ihrer Kirche ausgetreten sind. Ein häufig genannter Grund: immer neue Missbrauchsskandale.

Stab

Buch/RegieDennis Leiffels
MitarbeitStephan Alfter (Mannheimer Morgen)
KameraPatrick Dosanjh, Christian Weihe
TonKai Grimm, Tobias Akly
SchnittEike Bartsch
ProduktionsleitungMichael Kappler
ProducerManuel Möglich, Christian Tipke
RedaktionJochen Grabler, Michaela Herold (Radio Bremen)
LeitungThomas von Bötticher (Radio Bremen)

„Rabiat“ ist eine Produktion der Sendefähig GmbH (Manuel Möglich, Dennis Leiffels und Christian Tipke) im Auftrag von Radio Bremen für Das Erste 2021.

„Rabiat“

Das junge Reportageformat von Radio Bremen, in dem Journalistinnen und Journalisten mit Haltung kontroverse Themen der Zeit und der Gesellschaft beleuchten, ist die Erweiterung des „Y-Kollektivs“ ins Fernsehen. Das „Y-Kollektiv“ ist eine Gruppe junger Journalistinnen und Journalisten, die sich eine große Fangemeinde aufgebaut hat - mit über 880.000 Abonnenten bei YouTube (Stand Mitte März 2021) mit durchschnittlich 7,5 Millionen Abrufen pro Monat (Februar/März 2021) und mehr als 215 Millionen Aufrufen insgesamt. Redaktionell betreut wird das funk-Format „Y-Kollektiv“ vom Radio Bremen-Programmbereich Pop & Digital, der sich u.a. um die Entwicklung junger, crossmedialer Angebote für die ARD kümmert. Vor und nach den Fernseh-Reportagen wird auf den Kanälen des „Y-Kollektivs“ (YouTube, Facebook, Twitter, Instagram) diskutiert. In den Social-Media-Kanälen führen die Autorinnen und Autoren persönliche Debatten, berichten transparent über ihre Arbeit und Recherche. Den Fragen der Zuschauerinnen und Zuschauer im Fernsehen stellen sie sich in Q&As oder in den Kommentarspalten. Seit November 2020 gibt es außerdem „Y-Kollektiv – Der Podcast“ in der ARD-Audiothek.

Die Fotos sind in Kürze unter www.ard-foto.de abrufbar.